Wirklich datengetrieben agieren – darauf kommt es an

Eine Analysekultur im Unternehmen zu etablieren, ist ein aufwändiger Prozess (© itchaznong | fotolia.de)

Um der wachsenden Datenflut Herr zu werden, setzen immer mehr Unternehmen professionelle Analytics-Tools ein. Das allein reicht jedoch nicht, um den Datenschatz zu heben. Um die digitale Transformation in Griff zu bekommen, gilt es auch, möglichst vielen Mitarbeitern Zugang zu Daten und Analysetools zu verschaffen, abteilungsübergreifende Analysen zu fahren und Eigenschaften wie Neugierde und Eigenständigkeit zu fördern. Das Ziel sollte eine komplett datengetriebene Unternehmenskultur sein.

Autor: Henrik Jörgensen

Unternehmen quer durch alle Branchen sammeln riesige Mengen an Daten, um sie anschließend zu be- und verarbeiten. Der wichtigste Prozess ist dabei die digitale Datenanalyse, die die an sich wertlosen Bits & Bytes in kostbare Informationen verwandelt. Der Markt für die entsprechenden Tools hat sich zu einem Milliardengeschäft entwickelt: Laut Ovum sollen die weltweiten Umsätze mit Data Analytics in den nächsten Jahren rasant zulegen – von 1,7 Milliarden Dollar 2016 auf 9,4 Milliarden Dollar im Jahr 2020. Offensichtlich ist die Botschaft in den Unternehmen angekommen, dass das systematische Auswerten und Analysieren von Daten wesentlich dazu beiträgt, wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen, schnellere Entscheidungen zu fällen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Doch der Einsatz von Analytics-Software reicht nicht aus, um das Potenzial der Daten voll auszuschöpfen. Um den Wandel zu einem datengetriebenen Unternehmen bewältigen zu können, müssen Unternehmen auch ihre Organisationsstrukturen und Prozesse entsprechend anpassen und ihre gesamte Firmenkultur an der Arbeit mit Daten ausrichten.
Schnellere Analysen durch Self-Service-Analytics

Dazu gehört zunächst, möglichst vielen Mitarbeitern einen zielgerichteten Umgang mit den für sie relevanten Daten zu ermöglichen, um die Analysen zu beschleunigen. In vielen Unternehmen sind herkömmliche BI-Anwendungen im Einsatz, mit denen nur versierte User aus der IT- oder BI-Abteilung umgehen können. Diese erstellen Analysen im Auftrag der Fachabteilungen; das heißt, sie bearbeiten deren Fragen mithilfe komplexer Programmiermethoden. Auf Basis der Ergebnisse erstellt der Datenanalyst dann einen statischen Bericht, der nach mehreren Abstimmungsschleifen schließlich in der jeweiligen Abteilung ankommt. Ein umständlicher und zeitraubender Prozess.

Trotzdem ist diese Methode hierzulande noch sehr verbreitet. Das belegt die Studie „Time is Money“ von BARC (Business Application Research Center) unter 270 Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Demnach arbeiteten 2016 im Schnitt nur 15 Prozent der Mitarbeiter eines Unternehmens mit einer Datenanalyse-Lösung. Entsprechend gering sei die Einbeziehung von Daten in Entscheidungen: Laut Umfrage lag der Anteil an Entscheidungen, die auf validen Daten basieren, gerade einmal bei 43 Prozent, in kleineren und mittleren Firmen sogar nur bei 37 Prozent.

Abhilfe schaffen einfach zu bedienende Analytics-Tools, mit denen nicht nur die IT- und BI-Experten, sondern auch Mitarbeiter ohne technische Vorkenntnisse und ohne Programmieraufwand Daten auswerten und visualisieren können. Mithilfe sogenannter Self-Service-Analytics sind auch Fachabteilungen in der Lage, Reports zu erstellen, anstatt Experten damit zu beauftragen. Die Zeitersparnis ist enorm: Laut BARC warten Entscheider bis zu einem Tag auf einen beauftragten Bericht. Mit einem modernen Self-Service-BI-Tool dagegen kann man einen großen Teil dieser Analysen selbst erarbeiten – in durchschnittlich 20 Minuten.

Angesichts dieser Vorteile ist es kein Wunder, dass der Markt für Self-Service-Analytics im Aufwind ist. Auch die Experten von Gartner beobachten einen „Wandel von IT-zentrierten Berichtsplattformen zu modernen BI- und Analyse-Tools, die nicht nur wenigen Fachleuten, sondern vielen Mitarbeitern gezielte Analysen ermöglichen.“
Daten für alle verfügbar machen, Silos abbauen

Voraussetzung dafür, dass möglichst viele Mitarbeiter ihre Daten eigenständig analysieren, ist natürlich, dass die Daten auch für sie verfügbar sind. Ideal ist eine offene und kollaborative Firmenkultur, in der die Fachbereiche ungehinderten Zugang zu allen für sie relevanten Daten erhalten. Dies mag manches Unternehmen anfangs Überwindung kosten – speziell im Hinblick auf sensible Daten. Und die Bedeutung von Themen wie Governance, Compliance und Datenschutz ist dabei natürlich nicht zu unterschätzen. Doch die freie Verfügbarkeit der Daten ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass möglichst viele Mitarbeiter darauf zugreifen und sie in ihre täglichen Entscheidungen einbeziehen können.

Wichtig ist zudem, dass die eingesetzte Analytics-Software Informationen aus unterschiedlichen Quellen integrieren kann. Neben den Datenmengen nimmt auch die Zahl der Datenquellen zu – nicht zuletzt durch den Siegeszug der Cloud. Und der größte Nutzen für die Analyse lässt sich erzielen, wenn die Daten übergreifend ausgewertet werden. Das heißt: Einzelne Bereiche und Abteilungen sollten nicht länger siloartig mit den eigenen Datensätzen arbeiten, sondern diese in einen großen Datenpool integrieren. Das schafft eine Transparenz, die einen wesentlich strategischeren Ansatz in der Analyse ermöglicht.
Daten in möglichst viele Entscheidungen einbeziehen

Eine datengetriebene Unternehmenskultur bedeutet zudem, dass die Analyse von Daten, ihre gezielte Verknüpfung zum Aufzeigen von Zusammenhängen und die neu gewonnenen Erkenntnisse zu jeder Zeit und überall gegenwärtig sind. Ob im großen Meeting oder im kleinen Kreis, ob im Management oder in der Fachabteilung: Alle Entscheidungen sollten auf fundierten Daten beruhen. Das schafft eine einheitliche Diskussionsgrundlage und hilft, endlos in die Länge gezogene Meetings zu vermeiden. Statt einer textlastigen PowerPoint-Präsentation zu folgen oder sich durch Excel-Tabellen zu quälen, können die Teilnehmer während der Besprechung Fragen stellen und sich diese anhand der Daten sofort in Echtzeit beantworten lassen. Bei der gemeinsamen Analyse und Visualisierung von Daten sehen alle die Fakten und Zahlen auf einen Blick. Statt sich mit der Frage nach dem „Was“ zu beschäftigen, können sie sich gleich den Fragen nach Ursachen und Hintergründen zuwenden. Das führt zu schnelleren Entscheidungen, erleichtert die Zusammenarbeit – und steigert so die Produktivität.

Und schließlich sollte das Management alle Voraussetzungen dafür schaffen, um die datengetriebene Herangehensweise nachhaltig in den Köpfen der Mitarbeiter zu verankern. Unternehmen müssen nicht unbedingt neue Data Scientists einstellen, die zurzeit ohnehin schwer zu finden sind. Sie brauchen motivierte Mitarbeiter, die analytisch denken und Zusammenhänge hinterfragen können. Und dazu muss man sie nicht nur im Umgang mit Analyse-Tools und -Methoden, sondern auch in ihren analytischen Fähigkeiten schulen und dabei ihre Neugierde und Eigenständigkeit fördern. In einem datengetriebenen Unternehmen herrscht eine Kultur, in der sich solche Eigenschaften entfalten können und auch bei der Einstellung von neuen Mitarbeitern ein Auswahlkriterium darstellen.

Freie Datenverfügbarkeit, das Aufbrechen von Datensilos und datenbasierte Meetings – eine Analysekultur im Unternehmen zu etablieren, ist ein aufwändiger Prozess. Er braucht Zeit und funktioniert nur, wenn das Management voll dahintersteht.

Initiative Deutschland Digital

Unser Blick auf Digitalisierung

Die Digitalisierung an sich ist weder gut noch schlecht. Es liegt an uns, das Beste aus der Technologie zu machen, der Transformation eine Richtung zu geben, sie souverän und sozial verantwortlich zu nutzen, damit sie den Menschen dient. Wer diese Chancen bewahren will, muss sich auch den Risiken stellen.

Es wäre naiv zu glauben, die Digitalisierung sei zu bremsen oder gar aufzuhalten. Dazu ist der ökonomische Vorteil zu groß, der mögliche Nutzen zu vielversprechend. Wir sind überzeugt: Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Was vernetzt werden kann, wird vernetzt. Und was automatisiert werden kann, wird automatisiert. Nach diesem Muster durchdringt und verändert die Digitalisierung bereits jetzt als Matrixfunktion alle Bereiche des Lebens. Nie wieder wird die Digitalisierung so langsam fortschreiten wie heute. Die digitale Welt entwickelt sich exponentiell; ihre Leistungskraft verdoppelt sich alle eineinhalb bis zwei Jahre. Dies ist der immanente Treiber der digitalen Transformation. Insofern ist es kein Zufall, dass wir plötzlich simultane Technologiesprünge erleben – ob in der Künstlichen Intelligenz, beim Internet der Dinge, in der Robotik, in der Sensorik, beim 3D-Druck oder mit der Blockchain.

Und obwohl das Digitale bereits allgegenwärtig ist, stehen wir erst am Beginn einer Leistungsexplosion, von der wir noch gar nicht wissen, was sie bringt. Deshalb dürfen wir nicht einfach die Vergangenheit linear in die Zukunft fortschreiben, wie es viele Manager und Politiker gerne tun.

Die Initiative Deutschland Digital

Neue Studie: Unternehmen ringen weiter mit der digitalen Transformation

Kaum ein Unternehmen würde heute die Bedeutung der digitalen Transformation infrage stellen. Jedoch können viele die einzelnen Elemente, die dafür notwendig sind, nicht im erforderlichen Maß umsetzen. Das ist das Ergebnis der internationalen PACT-Studie von Fujitsu.

Von den insgesamt 1.625 befragten Führungskräften hat ein Drittel (33 Prozent) in den letzten zwei Jahren ein Digitalisierungsprojekt abgebrochen. Daraus entstanden Kosten von durchschnittlich 423.534 Euro. Zudem ist mehr als ein Viertel (28 Prozent) der Unternehmen mit einem solchen Projekt gescheitert. Dies verursachte sogar Kosten von 555.000 Euro pro Projekt (in Deutschland sogar 1,1 Millionen Euro). 84 Prozent der Unternehmen sind überzeugt, dass ihre Kunden von ihnen einen höheren Digitalisierungsgrad erwarten, während 71 Prozent glauben, sie fielen in dieser Hinsicht hinter den Wettbewerb zurück. Das führt nach den Befürchtungen von zwei Dritteln (66 Prozent) der befragten Führungskräfte mittelfristig dazu, dass sie Kunden verlieren werden.

Die digitale Transformation wird nicht nur von Technologie getragen. Fujitsu hat untersucht, wo die einzelnen Unternehmen unter Betrachtung der vier transformationskritischen PACT-Elemente zurzeit stehen: Mitarbeiter, Initiative, Kollaboration und Technologie. Die Mehrheit der Befragten ist überzeugt, dass an der Digitalisierung kein Weg vorbeiführt. Entsprechend haben 46 Prozent auch bereits digitale Projekte initiiert, 86 Prozent planen solche Projekte in den nächsten 12 Monaten oder darüber hinaus. Bezüglich der PACT-Faktoren zeigen sich jedoch einige Herausforderungen.
Mitarbeiter

90 Prozent der Unternehmen bestätigen, dass sie bestrebt sind, die Mitarbeiterzahl mit digitaler Expertise zu erhöhen. 70 Prozent sehen dabei klare Defizite bei den digitalen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter. Dieser Mangel ist für 80 Prozent der Unternehmen die größte Hürde in punkto Cybersicherheit. Dabei werden solche Fähigkeiten immer wichtiger: Für 93 Prozent sind sie in den nächsten drei Jahren erfolgsentscheidend. Weiterhin sind 83 Prozent der Befragten sicher, dass Künstliche Intelligenz die Anforderungen bis 2020 grundlegend verändern wird.
Initiative: Operative Voraussetzungen und Prozesse

Im Hinblick auf die Herangehensweise und zentralen Prozesse, mit denen die digitale Transformation vorangetrieben wird, wähnt sich die überwiegende Mehrheit (90 Prozent) der Befragten bereits im Besitz einer entsprechenden Strategie. 83 Prozent gehen davon aus, dass das auch im Rest der Branche der Fall ist. Dennoch konstatieren knapp drei Viertel (74 Prozent), dass einzelne Projekte nicht immer im Einklang mit der entsprechenden Business-Strategie stehen. Für 72 Prozent sind „Schattenprojekte“ die einzige Möglichkeit, wirklich sinnvolle und wertschöpfende Innovationen im Unternehmen zu entwickeln. Auf der anderen Seite halten die hohen Kosten eines Scheiterns immerhin zwei Drittel (66 Prozent) der Befragten von aufwändigen Transformationsprojekten ab.

Initiative-Deutschland