„Initiative Wirtschaft 4.0 Baden-Württemberg“ gestartet

Über 20 Partnerorganisationen aus Unternehmen, Kammern und Verbänden, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik haben die „Initiative Wirtschaft 4.0 Baden-Württemberg“ zur branchenübergreifenden Unterstützung der Unternehmen im Land und ihrer Beschäftigten bei der Digitalisierung gestartet.

Auf Initiative von Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut haben mehr als 20 Partnerorganisationen aus Unternehmen, Kammern und Verbänden, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik die „Initiative Wirtschaft 4.0 Baden-Württemberg“ gestartet. Mit der Initiative wollen die beteiligten Partnerinnen und Partner die Unternehmen im Land und ihre Beschäftigten branchenübergreifend bei der Digitalisierung unterstützen und den deutschen Südwesten als internationalen Premiumstandort für die digitalisierte Wirtschaft noch sichtbarer machen. Das Wirtschaftsministerium setzt damit einen zentralen Auftrag aus der Koalitionsvereinbarung um.

„Baden-Württemberg soll führende Innovationsregion Europas bleiben. Die Digitalisierung gibt uns dafür entscheidende Mittel in die Hand. Mit unserer neuen Initiative werden wir in enger Partnerschaft mit allen Branchen unsere Unternehmen darauf vorbereiten, diese Chancen zu ergreifen“, sagte Ministerin Hoffmeister-Kraut während der Auftaktveranstaltung in der Stuttgarter Staatsgalerie.
Digitalisierung der Wirtschaft voranbringen

Insbesondere der Mittelstand müsse noch stärker und konsequenter beim Einstieg in das Thema Wirtschaft 4.0 und bei dessen Umsetzung unterstützt werden, um seine Stellung als starker Wirtschaftsfaktor und größter Arbeitgeber im Land auch in Zukunft zu sichern, betonte die Ministerin. Dazu sei im Partnerkreis gemeinsam eine „Roadmap Wirtschaft 4.0“ erarbeitet worden, die neben zentralen Handlungsfeldern auch erste konkrete Aktivitäten enthalte, um die Digitalisierung der Wirtschaft voranzubringen. Dafür investiere das Ministerium in einem ersten Schritt rund 16 Millionen Euro.

Zu diesen Aktivitäten gehört die beabsichtigte Förderung regionaler „Digital Hubs“, die modellhafte Erprobung einer Digitalisierungsprämie für kleinere mittelständische Unternehmen aus allen Branchen, den neuen Innovationsgutschein Hightech Digital sowie die Stärkung des digitalen Wissenstransfers.
Digital Hubs und Digitalisierungsprämie

Die regionalen „Digital Hubs“ sollen als regionale Digitalisierungszentren die Digitalisierung in der Fläche des Landes voranbringen: Sie sollen Drehscheiben für digitale Innovationen, zugleich aber auch erste Anlaufstellen für Unternehmen bei Fragen der Digitalisierung sein. Die Hubs sollen die Zusammenarbeit von bestehenden, insbesondere mittelständischen Unternehmen, Start-ups und weiteren Akteuren wie etwa Forschungs- und Transfereinrichtungen unterstützen. Vorstellbar sind dabei geeignete Informations- und Beratungsangebote genauso wie Kreativ- und Experimentierräume oder auch Räume für die Zusammenarbeit, so genannte Coworking-Spaces. Die besten Konzepte hierfür sollen in einem wettbewerblichen Verfahren gefunden werden. Das Wirtschaftsministerium wird die dabei ausgewählten regionalen Konsortien mit insgesamt vier Millionen Euro über drei Jahre fördern.

Mit der Digitalisierungsprämie sollen branchenübergreifend kleinere mittelständische Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützt werden. Dies gilt insbesondere für die „digitalen Neulinge“ unter den Unternehmen. Über die Sensibilisierung der Wirtschaft und geeignete Informations- und Beratungsangebote – etwa den vom Wirtschaftsministerium geförderten Digitallotsen – hinaus ist die Umsetzung der nächste Schritt im Digitalisierungsprozess. In Form der Digitalisierungsprämie werden dafür Investitionen in Hard- und Software, aber auch die Qualifizierung der Beschäftigten gefördert. Die modellhafte Erprobung dieses Angebots unterstützt das Wirtschaftsministerium mit 2,2 Millionen Euro.
Neuer Innovationsgutschein „Hightech Digital“

Mit dem neuen Innovationsgutschein Hightech Digital für pilotartige Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zu Digitalisierungslösungen wird die Reihe der erfolgreichen Innovationsgutscheine des Wirtschaftsministeriums fortgeschrieben. Das neue Unterstützungsangebot zielt auf FuE-Vorhaben im Bereich digitaler Geschäftsmodelle, Anwendungsprojekte in den Bereichen Industrie 4.0, Vernetzte Systeme und Prozesse, Internet der Dinge (IoT), Smart Services, hochflexible Automatisierung, Big-Data-Projekte, Simulationsmodelle, Anwendung von Virtual und Augmented Reality oder Embedded Systems. Der neue Innovationsgutschein Hightech Digital kann bereits ab dem heutigen Freitag beantragt werden. Das Jahresbudget der Innovationsgutscheine wurde dafür um 700.000 Euro aufgestockt.
Ideenwettbewerb Wissens- und Technologietransfer

Schließlich rundet ein Ideenwettbewerb für Transferprojekte zur Digitalisierung der Wirtschaft die erste Runde der Aktivitäten der „Initiative Wirtschaft 4.0 Baden-Württemberg“ ab. Gefördert werden Transferprojekte sowohl für einzelne Branchen als auch im Bereich von Querschnittsthemen, wie etwa IT-Sicherheit oder der Digitalisierung der Arbeitswelt (Arbeit 4.0). Insgesamt stehen dafür zwei Millionen Euro über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren zur Verfügung.

Ministerin Hoffmeister-Kraut: „Mit der Roadmap Wirtschaft 4.0 und den ersten Aktivitäten haben wir einen wichtigen Meilenstein für die Digitalisierung der Wirtschaft in Baden-Württemberg erreicht. Dieser kann allerdings nur ein Anfang sein. Wir müssen und wir werden die gemeinsamen Anstrengungen in den kommenden Jahren fortsetzen, um die Digitalisierung zu einer Erfolgsgeschichte für die Unternehmen in Baden-Württemberg und ihre Beschäftigen zu machen.“

Allen Beteiligten sei bewusst, dass die künftige Beschäftigung und der Wohlstand in Baden-Württemberg eng mit der erfolgreichen Nutzung der Chancen der Digitalisierung verknüpft seien, so die Wirtschaftsministerin. Es sei entscheidend, bei der Digitalisierung alle Branchen des Landes mitzunehmen, die Industrie genauso wie die IKT-Wirtschaft, Handwerk, Handel, Freie Berufe, Gastgewerbe, die Dienstleistungswirtschaft insgesamt und die Bauwirtschaft. Entscheidend sei aber auch, dass die Digitalisierung der Wirtschaft in der Fläche des Landes ankomme und genutzt werde.

Baden-Württemberg.de

Leben 4.0 fordert Gesellschaft und Politik heraus

Ist die Digitalisierung ein Weg zu mehr Nachhaltigkeit? Ja, sagen Experten. Doch für die neuen technischen Möglichkeiten braucht es Vertrauen. Die Veränderungen in Arbeit und Alltag machen vielen Menschen Angst.

International treibt kaum ein Thema Wirtschaft und Politik so sehr um wie die Digitalisierung. Katherina Reiche, Mitglied des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE), und Hauptgeschäftsführerin beim Verband kommunaler Unternehmen (VkU), spricht von den technischen Möglichkeiten als einem „game changer“, der unser Leben nahezu komplett verändert.

Mobilität, Kommunikation, Arbeitsprozesse, Lernen – die Digitalisierung dringt in alle Bereiche ein. Auch der RNE hat die Digitalisierung in sein Arbeitsprogramm aufgenommen. „Nachhaltiger Konsum war nie einfacher, aber vermutlich auch nie schwieriger“, sagte Reiche bei einem Workshop zum Thema „Deutschland digital(er) denken?“ bei der RNE-Jahreskonferenz. Es geht um die Entstehung von Zukunftsindustrien, um Anreize, allen Menschen mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Digitalisierung sei die Voraussetzung für die Vernetzung komplexer Wertschöpfungsketten, betonte Reiche.

Arbeit und Leben 4.0 auf politischer Agenda

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hob in ihrer Rede auf der Jahreskonferenz die Bedeutung der Digitalisierung hervor. Die technischen Möglichkeiten würden dazu beitragen, effizienter zu wirtschaften und Ressourcen einzusparen, sagte Merkel. Deutschland hat die Digitalisierung als Chance für die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele und zur Förderung von Entwicklungsländern auf die Agenda der G20-Staaten gesetzt. Anfang Juli findet der G20-Gipfel in Hamburg statt. Deutschland hat derzeit den Vorsitz der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer inne.

Mit den Veränderungen kommen auch Unsicherheiten und Ängste auf. Arbeitsprozesse werden schlanker gestaltet, Berufe verändern sich. Die Mitarbeiter in Unternehmen müssen sich auf neue Aufgaben einstellen. Max Neufeind vom Bundesarbeitsministerium stellte bei der RNE-Jahreskonferenz die Frage nach einem neuen erweiterten Arbeitsbegriff in den Raum, der die vielen Facetten von Arbeit umfasst. Zudem müsse das lebenslange Lernen stärker Gewicht bekommen. „Damit müssen wir Ernst machen“, sagte Neufeind.

Die Bedeutung von lebenslangem Lernen betonte auch Philippe Lorenz von der Stiftung Neue Verantwortung.  Die sich verändernde Arbeitswelt erfordere neue und andere Kompetenzen von Mitarbeitern. „Unternehmen sollten die Fähigkeitsprofile ihrer Mitarbeiter besser nachvollziehen und darauf aufbauend individuelle Weiterbildungsangebote ableiten und anbieten“, so Lorenz.

Ähnlich argumentierte Tino Langer vom Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik. Die Digitalisierung habe enormen Einfluss auf die berufliche Ausbildung. „Wir müssen in der Lage sein, die Komplexität zu beherrschen“, sagte Langer. Zugleich biete die Technologie ein hohes Maß an Flexibilität. Die Mitarbeiter könnten viel selbstbestimmter entscheiden.

Mehr oder weniger Kontrolle im Netz?

Die Debatte in Deutschland ist besonders von der Angst über den Schutz der Daten bestimmt. Wer hat Zugang zu privaten Informationen? Sind die Daten vor Hacker-Angriffen geschützt? Das Vertrauen der Verbraucher in den Datenschutz schwinde, sagte Florian Glatzner vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Bei der Frage um mehr oder weniger Kontrolle im Netz gebe es Handlungsbedarf – auch von politischer Seite. Zum Beispiel, wenn es um Einschränkungen für Unternehmen geht, die Datenströme nutzen.

Für Benjamin Bergemann vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung geht der Datenschutz in der Nachhaltigkeit auf. „Beide wollen Diversität erhalten“, sagte Bergemann beim RNE-Workshop. Freiheit und Selbstbestimmung müsste man allen gewähren. Auch den jungen Generationen, die „verdatet“ aufwächst.

Doch die Datenfülle birgt nicht nur Risiken, sondern vor allem Chancen. Davon ist Henning Banthien, Geschäftsführender Gesellschafter der IFOK GmbH, überzeugt. Lägen mehr Informationen vor, müssten sich Unternehmen beim Thema Nachhaltigkeit auch transparenter in ihren Geschäftsberichten rechtfertigen.

Wie sehr digitale Technologien Unternehmen verändern, betonte Heike Niedbal von der Deutschen Bahn AG. „Digitale Transportangebote sind nicht automatisch nachhaltig“, sagte Niedbal. Sie plädierte für eine gesellschaftliche Debatte über die Gestaltung von Mobilität und Logistik in der digitalen Ära. Damit eine CO2-freie Logistik vorangetrieben wird, muss, Niedbal zufolge, die Politik reagieren. Beispielsweise über finanzielle Anreize.

Auch Thomas Osburg von der Hochschule Fresenius sieht die Politik bei diesen Transformationsprozessen, bedingt durch die Digitalisierung, in der Pflicht. Er sprach von der Entwicklung neuer Konzepte für mehr soziale Nachhaltigkeit. Eine Herausforderung wird, die ältere Generation an die „neue Welt“ heranzuführen. Auf diesen Aspekt machte Timo Poppe von der swb AG aufmerksam. Das Unternehmen steht im Land Bremen für die Versorgung mit Energie, Trinkwasser und Telekommunikation.

Die Digitalisierung ist der Treiber für wirtschaftliche Innovationen in den kommenden Jahren, aber auch für mehr Nachhaltigkeit, wenn die Dynamik der Entwicklungen richtig genutzt wird. Es liegt an der Politik, der Wirtschaft, der Gesellschaft sie zu gestalten, Vorteile und Risiken abzuwägen, und die Grenzen der Digitalisierung aufzuzeigen.

Der Prozess wird dauern und fordert alle heraus, so die Experten. Ohne das Vertrauen der Menschen in die neue Technologie könnten die damit verbundenen Änderungen nicht umgesetzt werden. Das bedeutet auch allen gesellschaftlichen Gruppen durch die Digitalisierung Teilhabe zu ermöglichen. Beim Lernen, beim Arbeiten, bei Veränderungen im Alltag.

RNE

Energy Efficiency Award 2017: Preis für Macher der Energiewende

Private und öffentliche Unternehmen können sich bis 15. Juli online bewerben / Ausgezeichnet werden umgesetzte Energieffizienzprojekte in drei Kategorien und ein innovatives Konzept für zukünftige Energieeffizienz-Maßnahmen

Für Projekte, die bei der praktischen Umsetzung der Energiewende besonders wirkungsvoll sind, hat die Deutsche Energie-Agentur (dena) jetzt den Energy Efficiency Award 2017 ausgeschrieben: Private und öffentliche Unternehmen sind eingeladen, ihre Wettbewerbsbeiträge bis 15. Juli bei der dena einzureichen. Der Award ist mit Preisgeldern von insgesamt 30.000 Euro dotiert und steht unter der Schirmherrschaft von Brigitte Zypries, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie.

„Wir wollen visionäre Unternehmer und pragmatische Techniker in den Mittelpunkt des Energy Efficiency Awards stellen. Denn für die Herausforderungen der integrierten Energiewende brauchen wir Macher – auf nationaler wie internationaler Ebene“, sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung. „Der EEA zeigt, wie Unternehmen, die mit ihren Projekten wirtschaftliche Energieeinsparungen erzielen, positive Auswirkungen auf das Gesamtsystem haben.“

Interessierte Unternehmen können ihre Bewerbung schnell und unkompliziert über ein Online-Formular auf der Webseite EnergyEfficiencyAward.de hochladen. Ausgezeichnet werden umgesetzte Energieeffizienzprojekte in drei Kategorien:

  • Energiewende 2.0 – Anwendergetriebene Effizienz im integrierten Energiesystem
  • Energieeffizienz 4.0 – Smarte Lösungen für etablierte Technologien
  • Energiemanagement und -dienstleistungen – innovativ finanzieren und Kompetenzen erweitern

Publikumspreis zeichnet innovatives Konzept für Energieeffizienz-Maßnahmen auf dena-Kongress aus

Erstmals können sich Unternehmen auch mit ihren Konzepten für den Energy Efficiency Award bewerben. Sie sollten schlüssig darstellen, wie die Energieeffizienz gesteigert werden kann und durch Marktreife überzeugen. Drei ausgewählte Unternehmen erhalten die Chance, auf dem dena-Kongress in einem Live-Pitch für ihre Konzepte um die Gunst des anwesenden Fachpublikums zu werben. Das Voting entscheidet anschließend, welches Konzept mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wird.

Bewertung der eingereichten Projekte nach einheitlichen Maßstäben

Eine Jury mit internationalen Experten bewertet alle eingereichten Energieeffizienzprojekte nach einheitlichen Maßstäben. Im Vordergrund stehen dabei die Kriterien Energieeinsparung, Klimaschutzrelevanz, Wirtschaftlichkeit sowie Innovationsgrad und Übertragbarkeit auf weitere Unternehmen. Alle Bewerber erhalten zusätzliche Punkte, wenn sich ihre Ansätze und Maßnahmen besonders positiv auf die aktuellen Herausforderungen der integrierten Energiewende auswirken. Hierzu zählen beispielsweise der Einsatz von Energiespeichern, die Verbindung mehrerer Energiesektoren oder auch ein innovatives Finanzierungsmodell.

Die Nominierungen für die einzelnen Kategorien werden am 30. September 2017 bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet im Rahmen des dena-Kongresses am 20. November 2017 in Berlin statt.

Den Energy Efficiency Award vergibt die dena seit 2007 im Rahmen ihrer Initiative EnergieEffizienz. Der internationale Wettbewerb wird gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und realisiert mit Unterstützung der Premium-Partner Danfoss GmbH und KfW.

Alle Informationen zur kostenfreien Teilnahme sowie zur Onlinebewerbung finden Sie unter EnergyEfficiencyAward.de.